Welche digitalen Spuren Deepfakes hinterlassen

Deepfakes hinterlassen Spuren – auch wenn sie perfekt wirken

Viele denken, Deepfakes seien vollkommen anonym und unsichtbar. Das stimmt nur bedingt. Jedes Video oder Bild, das digital erstellt wird, hinterlässt Spuren – sogenannte digitale Fußabdrücke. Diese können für Ermittlungsbehörden entscheidend sein, gleichzeitig bieten sie auch Ansatzpunkte für die Verteidigung.

Metadaten als erste Hinweise

Jedes digitale Video enthält Metadaten, also unsichtbare Informationen über das Material. Dazu gehören:

  • Erstellungsdatum und -uhrzeit
  • Bearbeitungssoftware und Version
  • Kamerainformationen oder Auflösungsdaten

Für Ermittler sind diese Daten wichtig, um Herkunft und Bearbeitung nachzuvollziehen. Für die Verteidigung bieten Metadaten Ansatzpunkte, um die Authentizität zu prüfen oder Unstimmigkeiten aufzudecken.

Komprimierung und Artefakte

Deepfake-Videos durchlaufen in der Regel mehrere Kompressionsstufen. Dabei entstehen kleine Fehler in der Darstellung – sogenannte Artefakte. Unnatürliche Bewegungen, Lichtreflexionen oder minimale Gesichtssprünge können Hinweise auf eine Manipulation sein. Für Sachverständige dienen solche Artefakte als Beleg für künstliche Erstellung. Gleichzeitig lassen sich diese Artefakte technisch analysieren und in der Verteidigung kritisch hinterfragen.

Upload-Spuren und Plattformdaten

Jedes Video, das ins Internet hochgeladen wird, hinterlässt Spuren auf den Plattformen. Hierzu zählen in der Regel sowohl Account-Informationen und IP-Adressen/ Standortdaten, als auch die Uhrzeit der Übertragung.

Diese Informationen sind oft entscheidend, um zu klären, wer Inhalte hochgeladen hat. Für die Verteidigung bedeutet dies, dass eine einfache Zuordnung zu einer Person nicht immer automatisch belastend ist – insbesondere, wenn Accounts gehackt oder manipuliert wurden.

Rückverfolgbarkeit von Inhalten

Auch wenn Deepfakes anonym verbreitet werden, können digitale Spuren die Ermittlungen unterstützen. Server-Logs, Netzwerkpfade oder Cloud-Daten liefern Hinweise auf Ersteller oder Weiterverbreiter. Für Verteidiger ist es daher wichtig, diese Spuren genau zu prüfen und mögliche Fehlerquellen oder unklare Datenpunkte zu identifizieren.

Bedeutung für die Verteidigung

Die Kenntnis über digitale Spuren erlaubt es der Verteidigung, Gutachten zu hinterfragen, alternative Entstehungsszenarien aufzuzeigen oder Zweifel an der Beweiskraft einzelner Daten zu formulieren. Gerade in Verfahren, die stark auf technischer Analyse beruhen, kann dies entscheidend sein, um die Position des Mandanten zu stärken.

Auch die scheinbar perfekten Deepfakes hinterlassen Spuren. Metadaten, Artefakte und Plattformdaten bilden die Grundlage für Ermittlungen, bieten aber gleichzeitig Ansatzpunkte für eine fundierte Verteidigung. Wer diese Zusammenhänge versteht, kann nicht nur den Verlauf eines Strafverfahrens besser einschätzen, sondern auch gezielt auf technische Aspekte Einfluss nehmen.